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3M

Es gibt Tage, da fühlen wir uns wie Goldwäscher. Nämlich immer dann, wenn eines der Unternehmen, das wir analysieren, uns mit seiner innovativen Kraft und leuchtenden Unternehmenskultur überrascht - obwohl es auf den ersten Blick wirkt wie eines von vielen: Ganz normale Branche, das übliche mittlere Management, nichts was darauf hinweist, dass hier durch die Flure ein besonderer Geist weht. So ging es uns jüngst bei 3M. Deren neueste Erfolgsgeschichte ist schnell erzählt, weil sie eigentlich recht unspektakulär klingt:

Sumita Mitra, Forscherin bei 3M ESPE, den Dentalexperten von 3M, wollte ein neues Material für Zahnfüllungen entwickeln, weil es bisher nur Materialien gab, die ENTWEDER hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht wurde
n ODER wenig Verschleiß zeigten. Beides zusammen? SOWOHL ALS AUCH? Fehlanzeige. Sumita Mitra hatte es sich deswegen zum Ziel gesetzt, beide Eigenschaften in einem Produkt zu vereinen. Gutes Ziel ...

Quelle: www.3mdeutschland.de

Drei Jahre später kommt Filtek Supreme Plus auf den Markt, eine Innovation im Dentalbereich mit hoher Ästhetik UND niedrigem Verschleiß. Wie das geht? Sumita Mitra hat Nanopartikel verwendet. Etwas, das vor ihr noch niemand versucht hat. Dass die Forscherin sich erfolgreich einer ihr fremden Technologie bedienen konnte, liegt – und hier wird es spannend – an der internen Datenbank von 3M. Diese enthält Ergebnisberichte
und Ideen der anderen 7.000 Forscher, die im Unternehmen arbeiten. Verwaltet werden diese Dokumente vom TechForum, einer von Mitarbeitern geführten Organisation, deren einzige Aufgabe die Steuerung der Kommunikation verschiedener Unternehmensbereiche untereinander ist. Weil es massive Mengen an Daten, Wissen und Innovationskraft bündelt und in die richtigen Kanäle leitet, wird das TechForum auch 3Ms „Geheimwaffe“ genannt.

Doch weder die Datenbank noch das TechForum sind die eigentliche Geheimwaffe, finden wir, sondern die Kultur der Zusammenarbeit bei 3M, die diese Dinge erst nutzbar macht. In wie vielen Unternehmen werden die Wissensdatenbanken nur mit ein paar oberflächlichen Angaben gefüllt und werden Anfragen von Kollegen grundsätzlich mit Ausflüchten quittiert. Bei 3M hat man begriffen, dass die Kreativität, Impulse und Ideen, die man für Innovationen benötigt, im eigenen Unternehmen bereits vorhanden sind. Allerdings muss man den Mitarbeitern die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellen, um den Austausch untereinander auch tatsächlich erfolgreich zu machen.

Im Fall von Sumita Mitra war es dann auch die Zusammenarbeit, die den Durchbruch brachte: Durch das TechForum kam sie in Kontakt mit einem Nanopartikel-Forscher aus einer anderen Abteilung und dieser lieferte ihr nicht nur
den geistigen Input, sondern stellte ihr für mehrere Monate zwei seiner Mitarbeiter zur Verfügung. Das muss man sich in anderen Unternehmen erst mal vorstellen: Da „verleiht“ jemand freiwillig „seine“ Mitarbeiter. Damit Mitarbeiter so agieren, muss die gelebte Kultur ihnen den Rücken stärken und sie aktiv ermutigen, sich auszutauschen.

Quelle: www.3mdeutschland.de

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass innerhalb eines Unternehmens auch mal ganz spontan der Funke zwischen zwei Abteilungen überspringt und daraus ein geniales Produkt entsteht. Aber es ist dann ein Zufallsprodukt. Und wer kann es sich leisten, darauf zu warten? Es geht heute darum, den Nährboden für Innovationen zu schaffen, kollektive Intelligenz zu mobilisieren – und dafür braucht es keinen Jack Welch und keine USM-Möbel, keine riesigen Investitionen und nicht die spektakuläre Umstrukturierung.

Meist reichen der geschärfte Blick und die Bereitschaft, etwas zu ändern. Denn alle Ressourcen sind schon längst da: In den eigenen Mitarbeitern.

LINKTIPPS:
Homepage 3M ESPE Dental Products
Jessie Scanlon, Business Week, How 3M Encourages Collaboration
Dental Office: Sumita Mitra named among Heroes of Chemistry for 2009
Quelle dieses Beitrags: Business-Backstage-Report von Förster & Kreuz, 11/2009
 
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